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Tiergarten, Berlin

Group Exhibition

Slur

Aurel Scheibler

11 September – 9 November 2025

David Schutter, Tom Chamberlain, Jack Pierson, Andy Warhol, Alice Neel, Öyvind Fahlström [Please scroll down for German version / Für Deutsch bitte scrollen Sie nach unten] Aurel Scheibler is pleased to present the exhibition Slur. The English word "slur" is one of those terms that can be interpreted very differently depending on the context. In music, for example, it refers to a curved sign placed over notes and, with it, the indication that they should be played smoothly and seamlessly. Slur also denotes an extremely offensive and socially unacceptable term intended to denigrate and insult. In addition, it refers to inarticulate, unclear, or incorrect pronunciation, where words run into one another. Slur takes its title from the painting by Tom Chamberlain in this exhibition. It is a work of ephemeral form. Our perception is destabilised, for in its appearance Chamberlain’s work operates on the boundary between something and nothing.The canvas reveals no structure, and the countless thin layers of paint show no brush marks. What was just supposedly seen dissolves again, and the eye wanders, searching for support on the smooth surface. David Schutter's works, such as the painting AIC G 219 shown here, like Chamberlain's painting, initially reveal little. Viewed from a distance, it appears to be a quasi-monochromatic canvas; upon approaching, the impression of minimalism fades before the delicate color gradations, the subtle interplay of nuances, and the clearly visible facture.The starting point for each of Schutter's works is an intensive engagement with older paintings. He meticulously analyses Dutch or French paintings from past centuries, but the cryptic acronym of the work's title reveals too little to reveal any connection to the image referenced. Schutter explores the experience he has when contemplating the work in situ, in a phenomenological sense, and transfers this, along with his analytical engagement with the circumstances of its creation, into his own work. If we consider works of art as representative in the philosophical sense, the question of what they actually "represent" comes to the fore. A work of art is never merely a material form - canvas, paper, and paint - but appears as the expression of something absent: an idea, a feeling, an experience, or even a transcendent truth. In Andy Warhol's drawing of a head, in Alice Neel's oil portrait of a young man, and also in Jack Pierson's photographic image of a body, a person becomes present in their absence: Alice Neel confronts us with the penetrating gaze of the young man, of whom we know only his first name, posing casually in an armchair, exuding a convincing calm. Andy Warhol's drawing of a young man, who’s first name we do not even know, comes across as much more impersonal and rigid, as the line is reduced to mere contour. The artistic idiosyncrasies known to both Neel and Warhol are thus present in both works. The situation is different with Jack Pierson's photograph: while the image, in its staging and chosen detail, is certainly typical of his artistic style, the nature of the medium might convey a sober inventory of what we see. Were it not for the increase in scale of the depicted flesh and denim, we might not even be aware of the its representational nature. There is no longer any distance between the work and the viewer, and the gaze becomes an almost haptic experience. In addition, there is Öyvind Fahlström's work Nightmusic 4, created as one of his last works in 1976. Fahlström, a thoroughly politically minded artist, was a chronicler: he collected information and facts, established connections, and artistically processed them all in his works. As a visionary, he further developed what he found and thus envisioned the scenarios of a bleak future, as depicted in Nightmusic 4. Fahlström's works open a resonant space for meaning that cannot be reduced to its material support. Their representational power thus lies not in depicting, but in visualizing: they bring to life meanings that only come alive upon observation. ***** In der Ausstellung Slur präsentiert Aurel Scheibler Werke von Alice Neel, David Schutter, Jack Pierson, Andy Warhol und Tom Chamberlain sowie ein spätes Werk von Öyvind Fahlström. Das englische Wort „Slur“ ist einer jener Begriffe, die je nach Kontext, ganz unterschiedlich verstanden werden können. In der Musik etwa ist damit ein Bindebogen über den Noten und mit ihm ver- bunden der Hinweis gemeint, das sie reibungslos, ineinanderfliessend gespielt werden sollen. Slur ist zudem ein äußerst beleidigender und sozial inakzeptabler Begriff, der auf Verunglimpfung und Beleidigung abzielt.Auch ist mit dem Begriff die unartikulierte, undeutliche oder falsche Aussprache gemeint. Slur ist auch derTitel des Bildes von Tom Chamberlain in dieser Ausstellung. Slur ist ein Werk von ephemerer Gestalt: das Sehvermögen wir gefordert, denn in ihrer Erscheinung markiert das Werk Chamberlains die Grenze zwischen dem Nichts und dem Sein. Die Leinwand offenbart keinerlei Struktur und der Farbauftrag in unzähligen dünnen Schichten zeigt keine Pinselspuren. Das soeben vermeintlich Gesehene löst sich wieder auf und das Auge irrt auf der Suche nach Halt auf der glatten Fläche umher. Die Werke von David Schutter, so wie das hier gezeigte Gemälde AIC G 219, offenbaren wie das Bild Chamberlains auch, zunächst wenig. Aus einiger Entfernung betrachtet erscheint es als quasimonochromatische Leinwand, beim Herantreten schwindet der Eindruck des Minimalen vor dem der feinen farblichen Abstufungen, dem subtilen Zusammenspiel der Nuancen und dem deutlich sichtbaren Duktus. Der Ausgangspunkt eines jeden Werkes von Schutter ist die intensive Auseinandersetzung mit älteren Gemälden. Meist sind es niederländische oder französische Gemälde vergangener Jahrhunderte die er akribisch analysiert, doch verrät das kryptische Akronym des Werktitels zu wenig, als das ein Zusammenhang mit dem Referenzbild sichtbar würde. Schutter erforscht vor Ort im phänomenologischen Sinne die Erfahrung, die er bei der Betrachtung des Werkes macht und überträgt diese, und die analytische Beschäftigung mit den Umständen seiner Entstehung, in seines eigenen Werk. Wenn wir Kunstwerke im philosophischen Sinne als Repräsentanten betrachten, rückt die Frage in den Vordergrund, was sie eigentlich „vertreten“. Ein Kunstwerk ist niemals nur eine materielle Form – wie die Leinwand, das Papier und die Farbe –, sondern erscheint als Ausdruck von etwas Abwesendem: einer Idee, einem Gefühl, einer Erfahrung oder sogar einer transzendenten Wahrheit. In der Zeichnung eines Kopfes von Andy Warhol, in dem Porträt in Öl eines jungen Mannes von Alice Neel und auch in dem fotografischen Abbild eines Körpers von Jack Pierson wird eine Person in ihrer Abwesenheit präsent: Alice Neel konfrontiert uns mit dem durchdringende Blick des jungen Mannes, von dem wir lediglich seinen Vornamen kennen,der lässig in einem Sessel posiert und dabei eine überzeugende Ruhe ausstrahlt. Andy Warhols´Zeichnung eines jungen Mannes, von dem wir nicht einmal denVornamen kennen, kommt sehr viel unpersönlicher und starr daher, denn der Strich ist auf die Kontur reduziert.Die jeweils für Neel undWarhol bekannten künstlerischen Eigenheiten finden sich also in den beiden Werke wieder. Anders ist das bei dem Werk von Jack Pierson: zwar ist das Bild in seiner Inszenierung und dem gewählten Ausschnitt durchaus typisch für seine künstlerische Handschrift, doch liegt es in der Natur des Mediums, das es eher wie eine nüchterne Bestandsaufnahme des Gesehenen wirkt.Wäre die Größendarstellung des abgebildeten Körpers in der Jeans nicht jenseits der Realität, wären wir uns vielleicht nicht einmal der Abbildhaftigkeit des Werkes, seinem Stellenwert als Artefakt bewusst. Es gibt zwischen Werk und Betrachter keinerlei Distanz mehr und der Blick wird hier zu einer nahezu haptischen Erfahrung. Abseits dessen findet sich das Werk Nightmusic 4 von Öyvind Fahlström. Er schuf es als eines seiner letzten Werke im Jahre 1976. Fahlström, ein durch und durch politisch denkender Künstler, war ein Chronist: er sammelte Informationen und Fakten, stellte Verbindungen her und bereitete all das in seinen Werken künstlerisch auf. Er war zudem ein Visionär, weil er das, was er vorfand weiter dachte und so die Szenarien einer düsteren Zukunft erahnte, wie sie in Nightmusic 4 dargestellt wird. Fahlströms Werke öffnen einen Resonanzraum für Sinn, der nicht auf den stofflichen Träger reduziert werden kann. Ihre Repräsentationskraft liegt also nicht im Abbilden, sondern im Vergegenwärtigen: Sie bringen Bedeutungen hervor, die im Betrachten erst lebendig werden.

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