Meuser — Hängepartie

Kreuzberg, Berlin

Meuser

Hängepartie

Nordenhake

22 November 2024 – 19 January 2025

[Please scroll down for German version / Für Deutsch bitte scrollen Sie nach unten] ‘Things are traditionally rather under- than overstated in the Ruhrpott,’ says Meuser about the language of his origin. In line with this, the artist presents the solo exhibition Hängepartie (adjournment), his sixth at Galerie Nordenhake Berlin and tenth with Galerie Nordenhake. The industrial background of the material, which shapes his work, is reflected both in his laconic visual language and in the humorously subtle tone of his titles, visible in this exhibition through sculptures spanning the years 1970 to 2024. After the intellectual excess of his studies with Beuys from 1968 left him with endless knowledge but little direction, Meuser drew a line under it in 1975 with the encouragement of Imi Knoebel: ‘It’s fine now, just do it.’ This prompted the artist to head to the scrapyard, ‘out of necessity,’ where he found his beginnings. ‘I really immersed myself emotionally. Whether it stunk, was broken, greasy or dirty, I was able to abstract from that.’ Meuser works with scrap metal finds, beginning the process by letting his gaze wander over places of discarded objects. Contrary to the familiar artistic theories of the objet trouvé, the artist turns away from the fantastical, but instead creates chains of associations to engage with the essence of objects and their everyday experiences. ‘I would never take a refrigerator, that would be far too literal for me. I'm only interested in a visual language if I can translate it into something else. If I discover forms that are unfamiliar to me but have a specific peculiarity, then they captivate me.’ Given Meuser’s biography, this appreciation of scrap metal as a material is unsurprising. He grew up in Essen as the son of an engineer and often accompanied his father to industrial inspections in the Ruhr region. The artist processes the selected pieces sparsely; he shortens, extends, and paints. They are understood almost traditionally as carriers of form and (industrial non-)colour. As a continuation of the material, Meuser primarily uses anti-rust paints, industrial lacquers, or oil paints – reddish Bundesbahn brown, signal yellow or bluish container grey, ‘in any case colours that Mondrian would have told me for: you are no longer my friend.’ Through this use of colour and the ‘walling’ (Wandung) of his sculptures, as Meuser puts it, avoiding exuberance where possible, the works are given a spatial relationship. Often positioned on or against walls, they appear almost like paintings. The ambivalence of their pictorial quality and, on the other hand, sculptural down-to-earth gravity becomes a paradoxical play of meaning. Similar to his titles, which he liked to ‘cook up’ with Kippenberger, his sculptures speak through their conception and materiality of a sincere gesture and pragmatic poetry, which challenge through their self-evident ambiguity. ‘Scrap, there are tonnes of it. There's also a lot of rubbish.’ Meuser was born in Essen in 1947 and lives and works in Karlsruhe. Between 1968 and 1976, he studied under Joseph Beuys and Erwin Heerich at the Staatliche Kunstakademie in Düsseldorf. His work has been shown in numerous solo exhibitions: Museo de Arte Contemporáneo de Monterrey, MX (2023); Skulpturenpark Heidelberg (2020); Städtische Galerie Karlsruhe (2011); Kunsthalle Düsseldorf (2008); Oldenburger Kunstverein (2003); Staatliche Kunstakademie der Bildenden Künste, Karlsruhe (1996) and Kunsthalle Zürich (1991). The most important group exhibitions include: Museum Ludwig, Cologne (2023); Margulies Collection, Miami (2022); Marta Herford (2018); Deichtorhallen Hamburg (2016); Museum Morsbroich, Leverkusen (2015); Bundeskunsthalle Bonn (2013); Kunsthalle Darmstadt (2012); Bonner Kunstverein (2007); ZKM Museum für Neue Kunst und Medien, Karlsruhe (2006, 2002); Museum am Ostwall, Dortmund (2001). In 1992 he was part of the documenta IX in Kassel. His works are represented in renowned public and private collections: Städtisches Museum Abteiberg, Mönchengladbach; Museum Ludwig, Cologne; Kunstmuseum Stuttgart; Staatsgalerie Stuttgart; ZKM / Centre for Art and Media, Karlsruhe; Falckenberg Collection, Hamburg; The Margulies Collection, Miami; Viehof Collection, Mönchengladbach; Frankel Collection, Bloomfield Hills. ***** „Im Ruhrpott wird traditionell eher tief- als hochgestapelt,“ so Meuser über die Sprache seiner Herkunft. Dementsprechend präsentiert der Künstler mit Hängepartie seine sechste Einzelausstellung in der Galerie Nordenhake Berlin und seine Zehnte mit der Galerie Nordenhake. Der industrielle Hintergrund seines Materials, der in das Schaffen des Künstlers einfließt, spiegelt sich sowohl in seiner lakonischen Bildfindung als eben auch im humorvoll hintersinnigen Duktus seiner Titel, die in dieser Ausstellung mit Skulpturen aus den Jahren zwischen 1970 und 2024 sichtbar werden. Nachdem der Überbau des Beuys Studium ab 1968 Vorwissen ohne Ende aber Ratlosigkeit hinterlässt, zieht Meuser den Schlussstrich dazu 1975 mit der Aufforderung von Imi Knoebel „Ist gut jetzt, mach einfach.“ Woraufhin der Künstler auf den Schrottplatz geht, „aus der Not heraus,“ und dabei zu seinen Anfängen findet. „Ich bin emotional richtig eingetaucht. Ob das gestunken hat, kaputt, fettig oder dreckig war, da konnte ich abstrahieren.“ Meuser arbeitet mit Schrott-Fundstücken und so entsteht der erste Arbeitsschritt im Schweifen des Blicks über diesen Ort des Ausrangierten. Entgegen den bekannten künstlerischen Theorien des objet trouvé, bedient sich der Künstler dabei nicht des Phantastischen, sondern schafft Assoziationsketten zu einer Auseinandersetzung mit dem Wesen der Dinge und ihren Alltagserfahrungen. „Ich würde nie einen Kühlschrank nehmen, das wäre mir viel zu wirklich. Mich interessiert Formensprache nur, wenn ich sie wieder in etwas anderes übersetzen kann. Wenn ich Formen entdecke, die mir nicht geläufig, aber eine spezifische Eigenartigkeit haben, dann interessieren sie mich.“ Dass dabei eine Wertschätzung von Schrott als Werkstoff stattfindet, ist aufgrund von Meusers Biografie wenig verwunderlich, der in Essen als Sohn eines Ingenieurs aufwächst und seinen Vater auf Prüfungen von Industrieunternehmen im Ruhrgebiet begleitet. Der Künstler bearbeitet die ausgewählten Stücke minimal; kürzt, verlängert und streicht. Sie werden fast traditionell als Träger von Form und (industrieller Nicht-) Farbe verstanden. In Fortsetzung des Materials verwendet Meuser vorwiegend Rostschutzfarben, Industrielacke oder Ölfarben; rötliches Bundesbahnbraun, Signalgelb oder blaustichiges Containergrau, „auf jeden Fall Farben, da hätte Mondrian zu mir gesagt: Du bist nicht mehr mein Freund.“ Durch diesen Einsatz von Farbe und die „Wandung“ der Skulpturen, wie Meuser sagt, um bloß jeglichen Überschwang zu vermeiden, erhalten die Arbeiten eine Relation im Raum, häufig an oder auf der Wand platziert, als wären sie Gemälde. Die Ambivalenz der Bildhaftigkeit und andererseits skulpturale Bodenständigkeit der Arbeiten wird zu einem paradoxen Spiel der Bedeutung. Ähnlich wie seine Titel, die er gerne mit Kippenberger „kloppte“, sprechen seine Skulpturen in ihrer Findung und Materialität von einer aufrichtigen Geste und bodenständigen Poesie, die durch ihre selbstverständliche Vieldeutigkeit herausfordern. „Schrott, da gibt es ja Tonnen. Da ist auch viel Müll dabei.“ Meuser wurde 1947 in Essen geboren und lebt und arbeitet in Karlsruhe. Zwischen 1968 und 1976 studierte er bei Joseph Beuys und Erwin Heerich an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf. Seine Arbeit wurde in zahlreichen Einzelausstellungen gezeigt: Museo de Arte Contemporáneo de Monterrey, MX (2023); Skulpturenpark Heidelberg (2020); Städtische Galerie Karlsruhe (2011); Kunsthalle Düsseldorf (2008); Oldenburger Kunstverein (2003); Staatliche Kunstakademie der Bildenden Künste, Karlsruhe (1996) und Kunsthalle Zürich (1991). Zu den wichtigsten Gruppenausstellungen zählen: Museum Ludwig, Köln (2023); Margulies Collection, Miami (2022); Marta Herford (2018); Deichtorhallen Hamburg (2016); Museum Morsbroich, Leverkusen (2015); Bundeskunsthalle Bonn (2013); Kunsthalle Darmstadt (2012); Bonner Kunstverein (2007); ZKM Museum für Neue Kunst und Medien, Karlsruhe (2006, 2002); Museum am Ostwall, Dortmund (2001). 1992 nahm er an der documenta IX in Kassel teil. Seine Arbeiten sind in renommierten öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten: Städtisches Museum Abteiberg, Mönchengladbach; Museum Ludwig, Köln; Kunstmuseum Stuttgart; Staatsgalerie Stuttgart; ZKM / Zentrum für Kunst und Medientechnologie, Karlsruhe; Sammlung Falckenberg, Hamburg; The Margulies Collection, Miami; Sammlung Viehof, Mönchengladbach; Frankel Collection, Bloomfield Hills.

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