Tiergarten, Berlin
Yalda Afsah
Curro
Between Bridges Residency Space[Please scroll down for German version / Für Deutsch bitte scrollen Sie nach unten] A series of cuts mark the uneasy climax of Yalda Afsah’s Curro, an exhibition culminating the inaugural Between Bridges residency. The show debuts the fifth installment in the Berlin-based artist’s series of films concerned with ritualised interaction between men and animals. She has dedicated her practice to these human-animal relationships since 2018. Conceived as an installation across two rooms, the film is split into parts which are displayed in a fence-like framing structure and viewable from a rounded bench both constructed for the space and reminiscent of the physical entrapment depicted in the film. The structure also resonates with the film’s title, a Galician term for fencing something in. While Curro’s snipping scenes could conjure a score of symbolic associations, it lands less as metaphor here than as the pinnacle of a brutal and domineering frenzy. A kind of literal power grab. Where the Centaur-like state of symbiosis in traditional dressage or the razor edge between care and control in pigeon tumbling have figured in subsequent works in the series, Curro turns its attention to the violent bid for submission in a centuries-old Galician tradition in which men corral a herd of wild horses in order to trim their manes and tails. Afsah’s seemingly classical narrative arc from anticipation to act charts a taxonomy of gazes, as the viewer might become aware of themselves watching and waiting just as the men and adolescent onlookers do in the film. The ambivalence that permeates Afsah’s work more broadly emerges here in the tension between the crassness of the ritual and the way that she handles it visually and sonically. There’s something tactile in her approach—imagine her turning scenes over in her hands. She often draws out sounds of touch, amplifying the contact between horses pressing closer together, wind moving through leaves, or a boy etching marks into a tree. A subtle tool of reorientation, Afsah’s soundscape is emblematic of her intervention in the seemingly detached posture of the beholder. Her patient observation nods to the durational contemplation of James Benning, with whom she studied in Los Angeles. Ultimately, by excavating displays of hyper-masculinity and teenaged initiation into such performativity, Afsah questions where art sits on the axis between the violence of spectatorship and the generosity of paying attention. Looking is always troubled. —Camila McHugh ***** Eine Reihe von Schnitten markiert den Höhepunkt von Curro, einer Einzelausstellung von Yalda Afsah im Rahmen der ersten Between Bridges Residency, mit der sie ausgezeichnet wurde. Die Ausstellung präsentiert den fünften Teil einer Reihe von filmischen Arbeiten, die sich mit ritualisierten Beziehungen zwischen Menschen und Tieren beschäftigen und der sich die in Berlin lebende Künstlerin seit 2018 widmet. Der Film, der als Installation in zwei Räumen konzipiert wurde, ist in zwei Abschnitte unterteilt, die in einer zaunähnlichen Rahmenstruktur gezeigt werden und von einer runden Bank aus betrachtet werden können. Diese ist spezifisch für den Raum konstruiert worden und erinnert an die im Film dargestellte physische Einkesselung. Die Ausstellungsarchitektur steht auch im Zusammenhang mit dem Titel des Films, einem galicischen Begriff für das Einzäunen von etwas. Während die Schnittszenen von Curro eine ganze Reihe symbolischer Assoziationen hervorrufen könnten, sind sie hier weniger eine Metapher als vielmehr der Höhepunkt eines brutalen und herrschsüchtigen Rausches. Eine Art buchstäbliche Machtergreifung. Während in früheren Filmen etwa der Zentauren-ähnliche Zustand der Symbiose bei traditioneller Dressur oder die Gratwanderung zwischen Fürsorge und Beherrschung beim Trainieren von Tauben Ausgangspunkte waren, wendet Curro seine Aufmerksamkeit dem gewaltsamen Streben nach Zähmung bei einer jahrhundertealten galicischen Tradition zu, bei der Männer eine Herde wilder Pferde eintreiben, um ihre Mähnen und Schweife zu trimmen. Afsahs scheinbar klassischer narrativer Bogen von der Antizipation bis zum Ereignis entwirft eine Taxonomie der Blicke, denn die Betrachter:innen können sich selbst beim Zuschauen und Warten ertappen, ähnlich, wie es die Männer und die Jugendlichen im Film tun. Die Ambivalenz, die Afsahs Werk im Allgemeinen durchzieht, zeigt sich hier in der Spannung zwischen der Grobheit des Rituals und der Art und Weise der visuellen und akustischen Verhandlung: Ihre Herangehensweise hat etwas sehr Taktiles - man stelle sich vor, wie sie Szenen in ihren Händen umdreht, wie sie immer wieder Geräusche der Berührung hervorhebt, etwa durch das akustische Verstärken des Kontakts zwischen sich aneinander drückenden Pferden, des Windes, der durch Blätter streicht, oder eines Jungens, der Zeichen in einen Baum ritzt. Als subtiles Werkzeug der Neuorientierung sind Afsahs Klanglandschaften sinnbildlich für ihre Art und Weise, der scheinbar distanzierten Haltung der Betrachter:innen entgegenzuwirken. Ihre geduldigen Beobachtungen erinnern an die kontemplativen Aufnahmen von James Benning, bei dem sie in Los Angeles studierte. Indem sie die Darbietungen von Hypermaskulinität und jugendlichen Initiationsriten in ihrer hochgradigen Performativität herausarbeitet, stellt Afsah letztlich die Frage, wo die Kunst auf der Achse zwischen der Gewalt des Zuschauens und der Großzügigkeit des Aufmerksamseins liegt. Schauen ist immer beunruhigend. —Camila McHugh
